Milben bei Bartagamen – was tun?

Milben bei Bartagamen

Milben erkennen

Milben sind winzig klein und doch mit dem bloßen Auge zu erkennen. Sie werden anfangs gern übersehen, denn unter flüchtigem Blick könnte man sie manchmal auch für Krümel des Bodensubstrats halten. Doch Milben bewegen sich und wer sie sich genau ansieht, erkennt den typisch bauchigen Körper, den spitzen Kopf und die kleinen Beinchen.

Je nach Milbenart sind weiße, rote oder blau-schwarze Punkte unter den Schuppen, am Bart, an der Kloake oder in den Ohröffnungen der Bartagamen zu finden. Nach einem Bad schwimmen sie manchmal auch an der Wasseroberfläche.

Futterverweigerung, Abmagerung und Schwäche können ebenfalls auf einen Milbenbefall hindeuten. Vor allem blutsaugende Arten können Wohlbefinden und Gesundheit einer Bartagame stark beeinträchtigen.

Milbenarten im Überblick

Reptilien können von über 200 verschiedenen Milben und Zeckenarten befallen werden. Der größte Teil von ihnen ist wirtsspezifisch und für den Menschen ungefährlich. Folgende Milben sind gehäuft auf Bartagamen zu finden.

Blutmilben

Blutmilben (Ophionyssus) sind die häufigsten Milben der Bartagamen. Es wird zwischen den Blutmilben der Schlangen (Ophionyssus natricis) und den Blutmilben der Echsen (Ophionyssus acertinus) unterschieden. Beide saugen Blut, bevorzugen ihren spezifischen Wirt und sind deshalb selten auf anderen Tieren zu finden. Bei Bartagamen handelt es sich daher fast immer um die Milbenart Ophionyssus acertinus. Der Befall mit anderen Arten kann aber vor allem bei Tieren aus dem Zoofachhandel, wo sich viele verschiedene Tierarten auf engem Raum befinden, vorkommen.

Die Milben der Schlangen sind in der Regel schwarz. Lediglich ihre Eier sind rot. Die Milben der Echsen dagegen sind rot. Beide fühlen sich bei feuchtem Klima besonders wohl. Ein Terrarium mit zu hoher Luftfeuchtigkeit bietet diesen Parasiten optimale Bedingungen. Einschleppen können sich Halter diese nicht nur beim Kauf einer Bartagame, sondern auch über Zubehör und Einrichtungsgegenstände.

Samtmilben

Die Samtmilben (Trombidiidae) können über Futtertiere in das Bartagamen-Terrarium gelangen, denn ihre Larven leben parasitär auf Heuschrecken, Grillen und Heimchen. Sie sind an ihrer leuchtendroten Farbe und der samtigen Oberfläche zu erkennen. Stammen die Futtertiere aus hygienisch einwandfreier Quelle, ist das Einschleppen dieser Milbenart eher unwahrscheinlich.

Grasmilben

Grasmilben bzw. ihre parasitär lebenden und Juckreiz verursachenden Larven gelangen allenfalls über selbst gepflückte Futterpflanzen in das Bartagamen-Terrarium. Die Larven schlüpfen ab Juni/Juli. Die Einschleppung lässt sich vermeiden, indem Pflanzen zuvor abgespült werden.

Substratmilben

Manchmal kommt es vor, dass sich auch vereinzelt weiße Milben auf einer Bartagame, häufiger aber in ihrer Umgebung befinden. Oft handelt es sich hierbei um harmlose Milben verschiedener Arten. Sie saugen kein Blut, sondern ernähren sich vom Staub und pflanzlichen Bestandteilen, selten von losen Hautschuppen und Häutungsresten. Wer lehmhaltigen Sand verwendet, wird selten Probleme mit ihnen haben, denn sie leben bevorzugt in Holzschnitzeln oder werden über Gartenerde eingeschleppt. Stimmen die klimatischen Bedingungen, vermehren sich diese Milben rasant.

Bartagamen: Biologie, Pflege, Zucht, Erkrankungen, Zuchtformen
  • Gunther Köhler, Karsten Grießhammer, Norbert Schuster
  • HERPETON

Milben behandeln

Um Milben bei Bartagamen erfolgreich zu behandeln, muss zunächst die Art identifiziert werden. Ohne Rücksprache mit einem reptilienkundigen Tierarzt sollten keine Insektizide eingesetzt werden.

Zur Bekämpfung von Samt- und Substratmilben reichen die üblichen Hygienemaßnahmen aus, wie eine Komplettreinigung des Terrariums inklusive Sterilisieren der Einrichtung im Backofen und dem Wechsel des Bodengrunds. Die Reinigung muss sehr gründlich erfolgen und bei Bedarf wiederholt werden, denn vor allem die weißen Milben kommen sonst immer wieder.

Blutmilben dagegen müssen zwingend behandelt werden, denn sie schwächen ihr Wirtstier, können Hautirritationen hervorrufen und zu einer lebensgefährlichen Blutarmut führen.

Einige Halter schwören auf den Einsatz von Raubmilben, die sich von den Blutmilben ernähren. Für sie ist es aber kaum zu schaffen, Bartagamen und ihr Terrarium gänzlich frei von Blutmilben zu bekommen, sodass es häufig lediglich zu einem Eindämmen des Befalls kommt.

Der Einsatz von Insektenstrips im Terrarium birgt bei Überdosierung die Gefahr, dass die Bartagamen zu Schaden kommen und führt dazu, dass sich die Milben auf die Flucht begeben und sich ohne weitere Barrieremaßnahmen rund um das Terrarium in der ganzen Wohnung verteilen.

Auch das Aushungern lassen funktioniert nicht. Wer seine Bartagamen anderweitig unterbringt und die Milben sich selbst überlässt, wird feststellen können, dass hungrige Milben auf der Suche nach einem Wirt außerhalb des Terrariums auf Wanderschaft gehen und sich dabei fleißig weiter vermehren.

Bartagamen reagieren sehr sensibel auf Insektizide jeglicher Art und vertragen einige gar nicht. Von frei verkäuflichen Mitteln ist deshalb abzuraten. Es sollte immer ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, der sich mit Bartagamen auskennt. Bartagamen vertragen keine Pyrethroide, zu denen unter anderem die Wirkstoffe Permethrin (u.a. in Advantix, Exspot/ Pulvex, Activyl Tick Plus, Preventic, Vectra 3D, Fletic und Defendog), Deltamethrin (u.a. in Scalibor), Flumethrin (u.a. in Bayvarol, Seresto), Cypermethrin und Cyfluthrin (häufig in Sprays und Verdampfern) gehören.

Bekämpfung der Blutmilbe bei Bartagamen

Am erfolgreichsten ist – mit Absprache mit dem Tierarzt – der Einsatz von Frontline und der gleichzeitigen Räumung des Terrariums, welches anschließend gründlich gereinigt wird und deren Einrichtungsgegenstände im Backofen bei mind. 65° sterilisiert werden. Für größere Teile, die nicht in einen Backofen passen, lassen sich möglicherweise ein Saunadurchgang oder eine Erhitzung im Ofen eines Tischlers organisieren. Die Bartagamen sollten für etwa zwei Wochen in einem Quarantäneterrarium untergebracht werden oder ihr Terrarium ohne Einrichtung und lediglich mit Zeitungspapier/Zellstoff, einer kleinen Wasserschüssel und natürlich ihrer Beleuchtung beziehen.

Antiparasitika – auch das Frontline – können überdosiert werden und so zum Tod eines Tieres führen. Bartagamen sollten deshalb keine schwer zu dosierenden Spot-ons bekommen und auch nicht direkt mit dem Spray eingesprüht werden. Am besten werden Einmalhandschuhe angezogen, ein Sprühstoß des Sprays auf eine der Hände abgegeben, das Mitteln in den Händen verrieben und anschließend die befallene Bartagame damit eingerieben.

Jedes Antiparasitikum enthält Gift, ohne dass es nicht gegen die Milben wirksam wäre. Auch für die behandelnden Tiere ist diese Bekämpfungsmaßnahme eine Belastung. Dies ist ein weiterer Grund, weshalb Halter nicht selbstständig Mittel verabreichen sollten. Ein fachkundiger Tierarzt kann den Gesundheitszustand einer Bartagame am besten beurteilen, sodass eine Behandlung eingeleitet werden kann, welche die Bartagame ohne Schäden übersteht.

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