Bartagame einschläfern – eine schwere Entscheidung

Bartagame einschlaefern

Früher oder später, wenn Behandlungen nicht mehr anschlagen und die Lebensqualität des Tieres nicht mehr gegeben ist, wird es nötig sein, loszulassen. Auch wenn es schwer ist, sich von seinem Tier zu trennen, so darf die Angst vor dem Tod seiner Bartagame nicht dazu führen, dass diese Schmerzen und Leiden ertragen muss. Die heutige Möglichkeit, sein Haustier schmerzlos erlösen zu lassen, ist ein Geschenk und der Tod für das Tier oftmals eine Erlösung.

Gründe für das Einschläfern von Bartagamen

Die Entscheidung für oder gegen das Einschläfern einer Bartagame sollte immer gemeinsam mit einem reptilienkundigen Tierarzt getroffen werden. Zwar hat jeder Tierarzt studiert, doch ist es ratsam, mit Bartagamen einen Tierarzt aufzusuchen, der sich auf Reptilien spezialisiert hat. Nur er weiß über alle Besonderheiten von Bartagamen Bescheid, welche sich grundlegend von denen warmblütiger Tiere unterscheiden.

Der Entscheidung geht eine gründliche Untersuchung voraus. Von Unfällen abgesehen, ist es selten so, dass es einer Bartagame plötzlich schlecht geht und sie sofort eingeschläfert werden muss. Ihr Zustand verschlechtert sich fortlaufend und zunächst unauffällig, denn Bartagamen leiden stumm. Umso wichtiger ist es, bei Auffälligkeiten rechtzeitig einen Tierarzt aufzusuchen. In den meisten Fällen können die Beschwerden erfolgreich behandelt werden.

Spricht die Bartagame aber auf keine dieser Behandlungen mehr an und ist ein Leben ohne Leiden und Schmerzen nicht mehr möglich, ist es Zeit, sich mit dem Gedanken anzufreunden, die Agame zu erlösen.

Gesetzliche Grundlagen zum Töten von Tieren

Das Tierschutzgesetz regelt Haltung und Umgang mit Tieren, thematisiert ihren Schutz wie auch das Töten. Laut §1 liegt der Zweck dieses Gesetzes darin, Wohlbefinden und Leben des Tieres zu schützen.

Es ist verboten, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Neben der Lebensmittelgewinnung, Jagd, Fischerei und Futtertiergewinnung liegt ein vernünftiger Grund für das Töten eines Tieres dann vor, wenn ein Weiterleben nicht ohne Schmerzen, Leiden und Schäden oder das Weiterleben nur mit einer schmerzhaften Behandlung möglich wäre. Das Töten von Bartagamen, weil diese „über“ sind und man sich dieser aus persönlichen Gründen entledigen möchte, verstößt gegen das Tierschutzgesetz und kann eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren zur Folge haben.

Selbst wenn ein vernünftiger Grund vorliegt, heißt es nicht, dass jeder sein Tier töten darf. Wie die Tötung aussehen muss und wer dazu befugt ist, regelt der §4 des Tierschutzgesetzes. Demnach muss eine Tötung immer schmerzlos erfolgen, wie es bei einer vorausgehenden Betäubung der Fall wäre. Außerdem darf sie nur von sachkundigen Personen durchgeführt werden. Was genau unter sachkundig zu verstehen ist, wird im Tierschutzgesetz leider nicht ausreichend erläutert.

Es existiert jedoch ein Europäisches Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren. Laut Artikel 11 ist das Töten eines Tieres nur von Tierärzten und ähnlich sachkundigen Personen erlaubt. Lediglich in Notfällen, wenn keine sachkundige Person aufzufinden ist und das Tier schnellstmöglich von seinem Leiden erlöst werden muss, darf dies auch ein Tierhalter übernehmen. Die Verwendung von Gift und Medikamenten ist in diesem Fall verboten. Auch das Ertränken und ähnliche Erstickungsmaßnahmen wie auch der Einsatz von Strom sind als alleinige Maßnahme nicht erlaubt.

Ablauf einer Euthanasie

Als wechselwarme Tiere fahren Bartagamen ihren Stoffwechsel mit dem Sinken der Umgebungstemperatur runter. Umso wichtiger ist es, dass sie auf dem Weg zum Tierarzt warm gehalten werden, z.B. mit Hilfe eines Heatpacks. Nur so ist gewährleistet, dass bei Injektionen von Medikamenten und auch Narkosemitteln eine schnelle Wirkung eintritt.

Üblich und empfohlen ist es, Bartagamen zuvor in Narkose zu legen. Das Narkosemittel kann über Inhalation mittels Maske oder als Injektion mittels Spritze verabreicht werden. Erst wenn die Bartagame sich in einer tiefen Bewusstlosigkeit befindet, wird das eigentliche Mittel zur Euthanasie gespritzt. Direkt ins Herz wirkt das Mittel in der Regel am schnellsten und wird vor allem bei Tieren mit schlechter Kreislaufsituation empfohlen. Es kann aber auch in den Muskel oder in den Bauchraum gespritzt werden. Anschließend stellt der Tierarzt durch eine Untersuchung den Tod fest, das heißt, er kontrolliert Reflexe und Herzschlag, um sicher zu gehen, dass die Bartagame wirklich tot ist.

Einschläfern ohne Narkose?

Bis heute ist das Einschläfern ohne vorhergehende Narkose sehr umstritten. Grund hierfür war der lange Zeit gängige Einsatz von T61, welches zum Tod durch Ersticken führte, wenn ein Tier zuvor nicht narkotisiert wurde. Zusätzlich kam es zu Erregungszuständen, sodass Tiere bis zum Eintritt des Todes zum Teil schrien und sich aufbäumten. Auch heute ist der Einsatz von T61 noch üblich, doch darf es nur in Verbindung mit einer ausreichend tiefen Narkose verwendet werden.

Das Folgepräparat trug den Namen Eutha77, welches inzwischen von den Präparaten Euthasol 400mg und Release 300mg abgelöst wurde. Die Wirkstoffe unterscheiden sich, doch die Wirkung ist dem T61 ähnlich, wenn auch sanfter. Euthasol und Release dürfen laut Hersteller intravenös auch ohne Narkose verabreicht werden. Ins Herz jedoch nur unter Narkose. In den Bauchraum nur, wenn anderes nicht möglich ist und das auch ausschließlich bei narkotisierten Tieren.

Was passiert mit der Bartagame nach dem Einschläfern?

Tierärzte bieten Patientenbesitzern an, das Tier bei ihnen zu lassen. Eingeschläferte Tiere werden tiefgefroren und in regelmäßigen Abständen der Tierverwertung übergeben. Dort werden sie zerkleinert, sterilisiert, getrocknet und gepresst. Das Ergebnis sind Tiermehle und Tierfette, die überwiegend als Brennstoffe in der Industrie eingesetzt werden.

Wer nicht möchte, dass seine Bartagame so endet, kann sie mit nach Hause nehmen und im Garten begraben. Weitere Möglichkeit sind Tierfriedhöfe und Tierkrematorien, die eine Einäscherung anbieten. Die Asche wird dem Besitzer nach Hause geliefert oder auf Wunsch in der Umgebung des Krematoriums verteilt. Die Kosten sind überschaubar und beginnen bereits bei 25 €, inkl. Abholung.

Bartagamen: Biologie, Pflege, Zucht, Erkrankungen, Zuchtformen
  • Gunther Köhler, Karsten Grießhammer, Norbert Schuster
  • Herausgeber: HERPETON

Das eigenmächtige Töten von Bartagamen

Im Internet ist immer wieder zu lesen, dass Tierhalter ihre Bartagamen selbst töten. Gerade bei Reptilien und insbesondere bei Bartagamen kursieren grausame Tötungsmethoden.

Manuelle Betäubungs- und Tötungsmaßnahmen wie der Kopfschlag, das Abtrennen des Kopfes (Dekapitation), Genickbruch oder Strecken (Zervikale Dislokation) sind Tötungsmethoden, die ausschließlich bei Futtertieren angewendet werden sollten, weil  es erwünscht ist, dass diese keine Rückstände von Medikamenten enthalten.

Kopfschlag

Der Kopfschlag führt selten zum Tod eines Tieres, sondern lediglich zu einer Bewusstlosigkeit. Trifft der Laie aber nicht richtig, ist die Bartagame nicht einmal bewusstlos, sondern hat starke Schmerzen. Auch das Erkennen, ob es lediglich eine Bewusstlosigkeit ist oder ob der Tod schon eingetreten ist, ist nicht jedem möglich. Deshalb ist das Töten durch Kopfschlag abzulehnen.

Genickbruch / Strecken

Ein sicherer Griff, bei dem Kopf und Halswirbelsäule gegeneinander verschoben werden, hat eine Schädigung des Rückenmarks und eine Betäubung als Ziel. Das erfordert eine vorherige Einweisung und Erfahrung. Anderenfalls ist es mit Schmerzen und Qualen verbunden. Dazu kommt, dass niemand weiß, wie lange die Tiere dabei noch bei Bewusstsein sind und Schmerzen wahrnehmen. Für Bartagamen kommt diese Tötungsmethode allein schon aufgrund ihrer Größe nicht in Frage.

Kopfabtrennung

Kopf ab und das Tier ist tot – wenn es denn so einfach wäre. Laienversuche schlagen fehl, sodass sich das Reptil quält. Doch auch, wenn der Schnitt trifft, so ist doch bekannt, dass das Gehirn noch Minuten bis zu einer Stunde nach dem Abtrennen starke Schmerzen empfindet. Selbst wenn durch zusätzliche Maßnahmen der Hirnstamm zerstört werden würde, ist diese Tötungsmethode abzulehnen.

Einfrieren

Nicht selten legen Bartagamenhalter ihre Tiere einfach in den Gefrierschrank, damit sie durch das Erfrieren sterben. Auf den ersten Blick scheint es eine humane Methode zum Töten eines Tieres zu sein. In Wirklichkeit aber ist es eine zutiefst grausame Art, sich seiner Agame zu entledigen. Man könnte vermuten, dass die niedrigen Temperaturen zu einer Beeinträchtigung des Bewusstseins mit einhergehender Schmerzfreiheit führen, doch das ist nicht der Fall. Zwar wird der Stoffwechsel herunter gefahren, Schmerzen werden aber weiterhin empfunden. Es ist beim Menschen bekannt, dass das Erfrieren mit der einhergehenden Bildung von Eiskristallen in den Zellen starke Schmerzen verursacht. Es ist deshalb davon auszugehen, dass es bei Bartagamen nicht anders ist. Bis eine Bartagame im Gefrierschrank ihr Bewusstsein verliert, kann es mehrere schmerzhafte Stunden dauern. Die Beliebtheit dieser Tötungsmethode ist die Wegschau-Mentalität des Menschen, denn ist die Tür des Gefrierfachs erst einmal verschlossen, lässt sich der Gedanke an das qualvoll sterbende Tier leicht ausblenden.

2 Kommentare… add one
  • Heiko

    Was tun bei Blutmilbenbefall .
    Terri ist gereinigt und mein Tier in einem separaten Terrarium.
    Aber die Milben kommen immer wieder.
    Kann mir da jemand Tipps geben ?

  • Gabriele Lang

    Leider wird überall im Internet falsches über das grausame wiederbelebende explosive Ätzmittel T61 berichtet. Es lähmt sofort und die Narkose wird aufgehoben und geht sofort in Lähmungen über. Es enthält nur Schreckliches wie Bewusstseinserweiterndes, Lebenverlängerndes und das Ätzmittel N,N-Dimethylformamid als Hauptanteil. Die Tiere ersticken und verätzen bei vollem Bewusstsein trotz vorheriger Narkose. Die Laboranalyse könnte ihr einsehen unter: qualvolle-einschlaeferung .de

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