Sind Mehlwürmer ein geeignetes Futter für Bartagamen?

Mehlwürmer gehören zu den umstrittensten Futtertieren. Von unverdaulich über giftig bis hin zu bissig reichen die Argumente gegen eine Fütterung der Schwarzkäfer-Larven.

Sind Mehlwürmer schwer verdaulich?

Mehlwürmer enthalten Chitin, wie andere Insekten auch. Frisch gehäutet ist die Chitinschicht noch sehr weich und härtet erst nach und nach aus. Für Nicht-Insektenfresser wie uns Menschen ist das Chitin schwer verdaulich. Für Insektenfresser ist die Verdauung des Chitins jedoch kein Problem.

Bartagamen sind Gemischtköstler und ernähren sich sowohl von Pflanzen als auch von Insekten. Die Verdauung des Chitins von Insekten stellt für sie grundsätzlich kein Problem dar. Allerdings ist es zu empfehlen, die Mehlwürmer relativ bald nach der Häutung zu füttern, weil ihr Hautpanzer dann noch weicher ist.

Sind Mehlwürmer Vitamin B-Räuber?

Dass Mehlwürmer Vitamin B-Räuber sind, scheint ein Gerücht zu sein, welches sich hartnäckig hält und für das es keinerlei wissenschaftliche Nachweise gibt. Insekten enthalten grundsätzlich wenig Vitamin B. Grillen und Mehlwürmer aber gehören zu den Insekten mit dem höchsten Vitamin B-Gehalt.

Beißen Mehlwürmer?

Mehlwürmer haben in der Tat kräftige Beißwerkzeuge. Besondern beißwütig sind sie jedoch nicht. Werden sie von einem Fressfeind gegriffen, versuchen sie eher, durch das Winden ihres Körpers zu entkommen.

Bei gesunden Tieren, die ihre Beute normal fangen und verspeisen, muss kein Halter Sorgen haben, dass ein Mehlwurm das Tier verletzen könnte. Wurden die Larven nicht schon im Bartagamenmaul zermalmt, ist spätestens im Magen Schluss mit lustig. Die Magensäure macht kurzen Prozess.

Problematisch kann es aber sein, wenn versucht wird, ein schwaches Tier mit Mehlwürmern zu päppeln, welches nicht zuverlässig schluckt und das Futtertier länger im Maul bleibt. Hier ist es sicherer, die Larve zuvor zu töten bzw. den Kopf zu entfernen.

Optimal sind getrocknete Mehlwürmer.

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Mehlwürmer – Gefahr durch Zwergbandwurm?

Mehlkäfer und ihre Larven gelten als Zwischenwirt für den Zwergbandwurm, dessen Endwirt Nagetiere, vor allem Ratten, sind. Auch für Menschen kann dieser Zwergbandwurm gefährlich sein.

Ein Zwergbandwurmbefall bei Mehlkäfern kommt in erster Linie in freier Natur vor. Der Mehlkäfer nimmt bei seiner Nahrungsaufnahme die Eier des Zwergbandwurms auf. Die daraus schlüpfende Oncosphaera-Larve frisst sich durch die Darmwand ihres Zwischenwirtes, gelangt so in den Bauchraum und verkapselt sich dort.

Wird dieser Käfer von einem geeignetem Endwirt gefressen, entwickelt sich die Larve zu einem Bandwurm, welcher sich an die Darmschleimhaut des Tieres heftet. Der dort parasitierende Wurm verursacht Verdauungsstörungen bis hin zu Apathie und stößt kleine Körpersegmente mit reifen Eiern ab, die ausgeschieden werden und so in die Umgebung gelangen.

Die Larve des Mehlkäfers – der Mehlwurm – gilt als nahezu resistent gegenüber einem Befall von Zwergbandwürmern. Das wurde in Versuchen herausgefunden, in denen die Mehlwürmer gezielt mit den Wurmeiern infiziert wurden.

Die aufgenommene Nahrung passiert den Verdauungstrakt bei Larven viel schneller als beim ausgewachsenen Käfer. Auch die Darmwand ist im Larvenstadium deutlich dicker als beim Käfer. Eine Infektion mit Zwergbandwürmern bei Bartagamen durch die Fütterung von Mehlwürmern ist deshalb unwahrscheinlich.

Kommen die Mehlkäfer aus einem hygienisch einwandfreien Umfeld, in dem sie keinen Kontakt mit Nager-Exkrementen hatten, können auch diese ohne Bedenken gefüttert werden.

Blausäure in Mehlwürmern?

Enthalten Mehlwürmer Blausäure oder andere giftige Substanzen? Der Mythos ist weit verbreitet. Es heißt, dass Mehlwürmer bei ihrer Verdauung Blausäure bilden.

In Insekten entsteht Blausäure dann, wenn sie etwas fressen, was Amygdalin enthält. Amygdalin ist ein Pflanzengift, welches in größeren Mengen vor allem in Bittermandeln und in Aprikosenkernen zu finden ist. Auch in Apfelkernen, Leinsamen und rohen Hülsenfrüchten ist es enthalten, in sehr geringer Menge sogar in Erdbeeren, Brombeeren und vielen anderem mehr.

Gelangt das Amygdalin in Verbindung mit ebenfalls enthaltenen Enzymen in den Verdauungstrakt des Mehlwurms, kommt es dort zu einer Abspaltung von Blausäure. Mehlwürmer sind Blausäure gegenüber sehr empfindlich. In geringen Mengen führt es zum Häutungsstopp, in größeren Mengen zum Tod.

Ob ein Mehlwurm Blausäure produziert, hängt somit von seiner Fütterung ab. Werden die Mehlkäferlarven nicht gerade mit Aprikosenkernen gefüttert, sollten die enthaltenen Mengen so gering sein, dass sie Bartagamen in keiner Weise gesundheitlich beeinträchtigen können.

Dieses Phänomen der Blausäureabspaltung findet bei allen Lebewesen statt, nicht nur bei Mehlwürmern. Allerdings wurden die Versuche vor allem mit Insektenschädlingen durchgeführt, allen voran mit Getreideschädlingen wie den Mehlkäferlarven.

3 Gründe, weshalb Mehlwümer nicht zu oft gefüttert werden sollten

1. Mehlwürmer sind sehr fetthaltig

Während der Eiweißgehalt von Larven eher gering ist, ist ihr Fettgehalt umso höher. Bei den fertig entwickelten Käfern ist es genau umgekehrt. Der Eiweißgehalt ist bei ihnen um einiges höher als bei ihren Larven. Der Fettgehalt ist dagegen ziemlich niedrig. Mehlwürmer enthalten aber deutlich weniger Fett als Zophobas, die Larven des Großen Schwarzkäfers, deren Verfütterung sogar in der Fachliteratur empfohlen wird.

Da Übergewicht bei der Haltung von Bartagamen ein großes Problem darstellt und eine zu energiereiche Ernährung zu Organverfettung führt, sollten Larven grundsätzlich nicht den Hauptbestandteil der tierischen Nahrung darstellen, sondern nur gelegentlich gefüttert werden. Zum kurzfristigen Aufpäppeln von stark abgemagerten Tieren sind sie aber durchaus geeignet.

2. Mehlwürmer haben ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis

Das optimale Calcium-Phosphor-Verhältnis sollte beim Bartagamenfutter bei etwa 2:1 liegen. In Wirklichkeit aber liegt dieses bei den gängigen Futterinsekten im umgekehrten Fall vor, 1:2 bis sogar 1:4. Beim Mehlwurm liegt dieses bei etwa 1:3,x, abhängig von den Aufzuchtbedingungen.

Bei allen Futterinsekten ist deshalb eine Zugabe eines Mineralstoffpräparats auf Calciumbasis nötig, bei Mehlwürmern besonders. Diese Maßnahme kehrt nicht nur das Verhältnis von Calcium und Phosphor in die richtige Richtung, sondern hebt auch den sowieso sehr geringen Calciumgehalt der Mehlkäferlarve an.  Das ist ohne Probleme mit dem großzügigen Bestäuben vor der Fütterung möglich und allein kein Grund, Mehlwürmer deshalb nicht zu füttern.

3. Gewöhnungseffekt

Bartagamen sind keine einfachen Pfleglinge. Schon bei der Umgewöhnung von tierische auf pflanzliche Nahrung bei den Jungtieren stoßen die ersten Halter an ihre Grenzen. Muss ein Tier aus gesundheitlichen Gründen eine Weile mit besonderen Leckerbissen gepäppelt werden, fällt die Umstellung auf das normale Futter ebenfalls nicht immer leicht.

Bartagamen gewöhnen sich schnell an ihr Futter und lehnen unter Umständen alles andere ab. Das bringt Halter zum Verzweifeln, denn niemand mag sein Tier gern tagelang hungern lassen, damit es aus der Not heraus endlich wieder das gesunde Futter anrührt. Bei der Fütterung von fettreichen Larven kann dieser Gewöhnungseffekt besonders schnell eintreten.

2 Kommentare… add one
  • Andreas

    Hallo, also ich gebe meinem 2 jährigem Bartagamen-Bock normaler Weise alle zwei Tage immer 2-3 Zweifleckgrillen oder Heimchen. Nun hatten die heute keine mehr im Laden und ich habe Mehlwürmer gekauft. Aber wie viele muss ich ihm jetzt davon geben?

  • Manuela

    Hallo Andreas,

    gleiche Menge. Reduziere aber mal deine Lebendfütterung auf einmal wöchentlich.

    Schöne Grüße
    Manuela

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