Zwangsernährung bei Bartagamen: Hilfestellungen & Tipps

Zwangsernaehrung bei Bartagamen

Warum verweigern Bartagamen ihr Futter?

Ruhephasen

Manchmal stellen Bartagamen uns Halter vor Rätsel. Es kommt vor, dass an einem Tag noch alles in Ordnung scheint, doch am nächsten plötzlich das Futter verweigert wird.
Häufige Ursache sind die arttypischen Ruhepausen. Ab späten Herbst ist es möglich, dass eine Bartagame das Fressen einstellt und sich für die Winterruhe zurückzieht. Doch auch im Sommer gibt es kurze Ruhephasen, in denen sich die Tiere einbuddeln oder einfach weniger fressen.

Futtergewöhnung

Auch Futterwechsel können zur Futterverweigerung führen, denn schnell gewöhnen sich Bartagamen an ein Futtermittel und wollen nichts anderes mehr. Jungtiere tun sich manchmal schwer mit dem Wechsel von tierischer zu pflanzlicher Nahrung. Bekommt eine Agame einige Zeit immer das gleiche Grünfutter oder die gleiche Insektenart, so passiert es schnell, dass sie schon nach wenigen Tagen nichts anderes mehr frisst, sondern lieber wartet und ein paar Tage Hunger in Kauf nimmt.

Unterdrückung

Doch auch wenn durchaus harmlose Gründe dahinter stecken können, wenn eine Bartagame wenig oder nicht mehr frisst, gibt es auch Ausnahmen. Wer ein Paar oder eine Gruppe hält, muss darauf achten, dass keines der Tiere unterdrückt wird, sich alle zum Futter trauen und auch jeder genug abbekommt. Gibt es ein Tier in der Gruppe, das nicht mehr frisst, sollte es versuchsweise separat von den anderen gefüttert werden und bei Bedarf einzeln gehalten werden.

Krankheiten

Nicht selten ist die Futterverweigerung ein Krankheitsanzeichen. Wurmbefall, Verletzungen, Atemwegserkrankungen und organische Schäden sind nicht immer einfach zu erkennen. Doch früher oder später stellt ein krankes Tier das Fressen ein.

Leider wird der Tierarztbesuch viel zu oft zu lange vor sich hingeschoben. Hat die Bartagame erst einmal wochenlang kaum noch oder gar nicht gefressen und ist stark abgemagert, wird die Hemmschwelle für viele Halter immer größer. Ihnen wird bewusst, dass sie zu lange gewartet haben und scheuen nun den Tierarztbesuch, weil sie Angst vor Vorwürfen seitens der Tiermediziner haben. Doch stattdessen in Foren, Blogs und Facebookgruppen zu fragen, macht das Tier nicht wieder gesund. Ein Besuch beim Tierarzt ist zwingend notwendig.

Bartagamen: Biologie, Pflege, Zucht, Erkrankungen, Zuchtformen
  • Gunther Köhler, Karsten Grießhammer, Norbert Schuster
  • Herausgeber: HERPETON

Wann ist bei Bartagamen eine Zwangsernährung nötig?

Die Fütterung unter Zwang ist für alle Tiere mit Stress verbunden. Für Tiere wie Reptilien, die keine innigen Beziehungen zu ihren Haltern pflegen wie Katzen oder Hunde, ist es am schlimmsten. Deshalb tut man den Tieren keinen Gefallen, wenn man sie bereits nach ein paar Tagen der Futterverweigerung zwangsweise füttert. Magern sie aber bereits deutlich ab, sollte mit einem Tierarzt über eine vorübergehende Zwangsernährung gesprochen werden.

Bevor eine Bartagame zwangsernährt wird, sollte sie immer einem Tierarzt vorgeführt werden. Schließlich muss zunächst die Ursache herausgefunden und behandelt werden.

Bei organischen Erkrankungen, Austrocknung und bei starker Abmagerung sollte auch das Futtermittel zur Zwangsfütterung mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Hier ist es manchmal besser auf Nährlösungen zurück zugreifen, wie zum Beispiel Aminin oder Boxerin. Auch Royal Canin Convalescense Support Instant und Herbi Care Plus werden manchmal vom Tierarzt empfohlen. Dieser kann außerdem Elektrolytlösungen spritzen und bei Bedarf Appetitanreger und Medikamente verschreiben.

Wie geht Zwangsernährung bei Bartagamen?

Um Bartagamen zwangszuernähren wird eine kleine Spritze benötigt. Am besten eignet sich hierfür eine kleine 1ml-Spritze – natürlich ohne Nadel. Man bekommt sie beim Arzt, Tierarzt, in der Apotheke oder bestellt sie online.

Wenn medizinisch nichts dagegen spricht, kann das gewohnte Futter (Grünfutter, Insekten und Zusätze) zu Brei püriert werden. Auch Babygläschen, z.B. Frühkarotte sind geeignet. Dieser Brei wird mit der Spritze aufgezogen und ins Maul geflößt.

Je länger eine Agame nicht gefressen hat, umso leichter verdaulich sollte das Futter sein. Es wäre falsch, in diesem Fall mit Mehlwürmern, Wachsmottenlarven und Paprika zu beginnen oder gar Mais zu füttern. Nicht selten hat dies Erbrechen und Verstopfung zur Folge. Salate, Vogelmiere, Löwenzahn, Möhrenbrei wie auch kleine Heimchen und Grillen sind besser geeignet. Bei sehr schwachen Tieren empfiehlt sich zunächst Elektrolytlösung einzugeben. Zeigt das Tier keinen Schluckreflex mehr, ist eine Sondenfütterung nötig.

Die Menge sollte mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden. Begonnen wird mit einer sehr geringen Menge. Bleibt das Futter drin und wird nicht erbrochen, kann nach und nach erhöht werden.

Eine große Herausforderung kann es sein, das Maul einer Bartagame zu öffnen. Einige Tiere machen es auf, sobald etwas an ihrem Maul entlang streicht. Bei vielen anderen muss etwas nachgeholfen werden. Rechtshänder setzen die Bartagame so vor sich, dass sie nach rechts schaut. Zeigefinger und Daumen der linken Hand werden unterhalb der Augen am Oberkiefer platziert und fixieren diesen. Mit rechtem Zeigefinger und Daumen kann nun der Unterkiefer etwas geöffnet oder notfalls auch vorsichtig am Bart gezogen werden. Wer unsicher ist, holt sich eine Hilfsperson hinzu, denn mit vier Händen geht es deutlich einfacher.

Wichtig ist, dass nur warme Bartagamen zwangsernährt werden. Denn ist es zu kühl, arbeiten einige Körperfunktionen auf Sparmodus und dazu gehört auch die Verdauung. Im Optimalfall befindet sich die Bartagame zum Zeitpunkt der Fütterung in einer Umgebung von 30°C aufwärts. Natürlich kann sie zum Füttern aus dem Terrarium genommen werden. Man sollte aber niemals Tiere zwangsernähren, die man gerade in kühlerer Umgebung aufgefunden hat. Diese sollten immer erst an einem warmen Ort untergebracht werden und sich der Umgebungstemperatur angepasst haben.

3 Kommentare… add one
  • H.Mademann

    Hallo, vor einiger Zeit ist das Weibchen meines Bartagamenpärchen verstorben. Beide sind ca.8-9Jahre alt gewesen. Das Weibchen lag nach der mühsamen Eiablage morgens Tod im Terrarium. Seitdem will das Männchen nicht mehr fressen. Ist das Trauer? Was kann ich machen? Vielen Dank für Ihre Antwort.

  • Manuela

    Hallo,

    das kommt gelegentlich vor.
    Die Entscheidung liegt bei dir. Man kann natürlich versuchen, ein neues, älteres Weibchen reinzusetzen. Da es aber Einzelgänger sind, ist es natürlich nicht so, dass sie sich alle gleich gut verstehen.

    Viele Grüße

  • Ina

    Unsere Bartagame hatte nach der letzten Häutung eine Wunde am Schwanz, die beim Tierarzt versorgt wurde
    Nach dem Antibiotikum will sie nun nichts mehr fressen
    Ich gebe ihr eine Elektrolytlösung. Aber seit 2 Wochen verweigert sie ihr Futter.
    Heute habe ich sie warm gebadet um ihre Verdauung anzuregen. Die Tierärztin ist noch nicht beunruhigt. 2 Wochen ohne Futter wär ok. Ich mache mir aber geoße Sorgen. Daher meine Frage:
    Wie lange kommt “Ohnezahn ohne ohne sein Futter aus?
    Wir haben ihn seid 3 Monaten. Er ist 6 Jahre alt und will kaum Grünfutter, nur die dicken zophobas frisst er….
    Ina, 50 Jahre alt und noch Anfängerin in Sachen kleiner Drachen

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